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Meinung
Jan. 02, 2019 | 11:00 Uhr

Der Gruppenfinder ist in World of Warcraft wichtiger, als die meisten Spieler sich eingestehen können. Wir nennen einige Gründe dafür.

Über die Jahre hinweg hat sich World of Warcraft deutlich verändert. Nur noch wenige Aspekte des Spiels sind im aktuellen „Battle for Azeroth“ noch so, wie die Fans der ersten Stunde es aus Classic gewohnt sind. Einer der umstrittensten Punkte ist auch nach Jahren noch der Gruppenfinder.

Dieser ermöglicht es Spielern, eine Gruppe für Dungeons und Raids auf niedrigen Schwierigkeitsstufen zu finden – von überall aus und das ohne jegliche soziale Interaktion.

Für manch einen Spieler war es die beste Erfindung im MMORPG-Genres, für andere der Untergang sämtlicher sozialen Gefüge.WoW Druid Bear Dwarf Tank title

Der wohl wichtigste Punkt zuerst: Es gibt eine große Anzahl an Spieler, die würden ohne den Gruppenfinder niemals einige Inhalte von World of Warcraft sehen. Die Gründe dafür sind manigfaltig: Man spielt nicht gerne in Gilden, kennt wenig Leute innerhalb der Spielwelt oder hat einfach zu wenig Zeit, um soziale Kontakte auch noch im virtuellen Leben zu pflegen.

Für diese Leute, die nicht jeden Abend mehrere Stunden in ein Spiel stecken können oder wollen, ist der Gruppenfinder nach wie vor ein Segen.

Gruppenfinder hat für die „besseren“ Spieler keine Relevanz

Was mich persönlich jedoch verwundert, ist, dass viele über den Gruppenfinder meckern, obwohl der in ihrem Alltag eigentlich gar keine Relevanz besitzt. Denn der überwiegende Teil der „Endgame-Inhalte“, wie „Mythisch+“-Dungeons oder Raids ab „normal“ werden nicht über den automatischen Gruppenfinder geformt, weil der das gar nicht kann. Es gibt hier keine automatische Zuweisung von Spielern.WoW Legion Court of Stars Mythic Plus World Record Title Daarkee Shakib Jdotb

Zwar kann man seine Gruppe in einem Tool auflisten und einstellen, für welchen Dungeon man Leute sucht, aber das findet manuell statt. Das ist im Kern nichts anderes, als im Handels-Channel „LFM Heal & Tank Scholo, dann go“ zu spammen und zu hoffen, dass sich genau die Leute melden, die den eigenen Erwartungen entsprechen. Und ich glaube ehrlich, dass einige besonders laute Spieler gar nicht realisieren, dass die Gruppensuche für einen „Mythisch+“-Dungeon im Grunde sehr klassisch und nicht automatisiert abläuft.

Dass das so ist, lässt sich auch an einer anderen Problematik gut festmachen:

„Raider.io checken“ vs. Gruppenfinder

Viele Spieler klagen darüber, dass sie nicht in Gruppen mitgenommen werden, weil andere erst ihr „Raider.io“-Profil oder gewisse Achievements checken würden, bevor man sie mitnimmt. Oder sie müssen ein Itemlevel aufweisen, das so hoch ist, dass der entsprechende Dungeon gar keine sinnvollen Belohnungen mehr einbringt.WoW Groupfinder title no more

Und genau das ist die Kehrseite der Medaille. Wenn man Spieler nicht per Dungeonfinder in eine Gruppe „zwingt“, dann haben sie selbst die Wahl, nach welchen Kriterien sie einander aussuchen.

Doch exakt das ist ein Kritikpunkt, der ebenfalls immer wieder aufkommt. Wer sich nicht darüber beschwert, dass er im Gruppenfinder beim „Trottel-Lotto“ wieder eine schlimme Gruppe erwischt hat, der regt sich darüber auf, dass die Voraussetzungen für „Mythisch+“-Gruppen exorbitant hoch sind.

Doch hier werden beide Gruppen niemals zusammenkommen können. „Mythisch+“-Dungeons sind eben doch eine Spur härter als das, was man im Gruppenfinder (Heroisch, normal, LFR) angehen kann.

Das bedeutet, dass die Chance besteht, in diesen Inhalten zu scheitern, was wiederum für viele Spieler „verschwendete Zeit“ ist. Um diese Chance zu minimieren, legen sie eigene Kriterien fest, wie ein Itemlevel oder eine gewisse Erfahrung, die mit Seiten wie raider.io oder gewissen Achievements überprüft wird.WoW Drunk Mage Human Draenei Solder Yell titleAuch spannend: Was wir uns 2019 von World of Warcraft wünschen.

Wie wird das in WoW: Classic?

Ich glaube sogar, dass gewisse Aspekte sich auch auf Classic-WoW auswirken werden. Heutzutage ist das Internet deutlich größer und zugänglicher als noch vor mehr als einem Jahrzehnt. Ich befürchte, dass sich auch für Classic gewisse Voraussetzungen etablieren werden, die über „wir haben uns halt in Ironforge gefunden“ hinausgehen.

Die Zeit der meisten Spieler ist in den letzten Jahren arg verknappt worden und wer sich darauf einstellt, drei oder vier Stunden in den klassischen Schwarzfelstiefen zu verbringen, wird vermutlich auch stärker filtern, als das noch vor 12 Jahren der Fall war.WoW Legion warrior defense

Fazit: Gruppenfinder stört eigentlich nicht

So komme ich zu dem Schluss, dass der Gruppenfinder in seiner aktuellen Form eigentlich ein gutes, nützliches Element des Spiels ist. Es hilft gerade in den „leichten“ Inhalten von World of Warcraft massiv und ermöglicht (nach wie vor) einer großen Spielergruppe Inhalte zu bestreiten, die sie ansonsten nie sehen würden.

Für alle, die etwas „ernster“ spielen und härtere Inhalte angehen, ist der Gruppenfinder ohnehin nicht nutzbar. Sie müssen manuell suchen oder sich – ganz klassisch – eine vertrauenswürdige Gruppe aus Freunden aufbauen.WoW Human Male Drugs Smoke title

Und wenn man ganz ehrlich ist: Die wirklich „asozialen Deppen“ sind in der Unterzahl. Nur bleiben sie eben besonders oft in Erinnerung und nicht die Hunderten Dungeon-Runs, die problemlos und erfolgreich oder gar mit einer Prise Humor abliefen.

Aber das ist nur meine Meinung zu diesem viel diskutierten Thema. Wie seht ihr das?

von Cortyn
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