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Jan. 14, 2019 | 16:00 Uhr

Was fasziniert Spieler eigentlich an der Vorstellung, ein World of Warcraft von vor 15 Jahren zu spielen? Wir nennen euch die Gründe.

Für das Jahr 2019 steht in World of Warcraft keine große neue Erweiterung an, dafür aber ein ziemlich altes Spiel. World of Warcraft: Classic, quasi die „Vanilla“-Version von WoW, wird im Sommer veröffentlicht und hat auch so viele Jahre nach dem ursprünglichen Release zahlreiche Fans.

Doch warum freuen sich die Spieler eigentlich so auf die „Classic“-Erfahrung, wenn sich Spiele doch inzwischen weiterentwickelt haben? Wir haben einige Gründe aufgelistet, die WoW in seiner Urform so anziehend machten.

Das Leveln war das Spiel

In der aktuellen Version von WoW dient das Leveln vor allem einem Zweck: Man wird durch die neuen Gebiete geführt und erlebt die Story der Erweiterung. Das geht relativ flott und hält meistens nur wenige Stunden an. Doch das war mal anders. In Classic war die Level-Phase ein fester Bestandteil der Spielerfahrung und für viele Fans sogar das, was das Spiel ausmachte. Den ersten Charakter auf Stufe 60 zu bringen dauerte nicht wenige Tage, sondern manchmal Wochen oder Monate.WoW Horde Levelgebiete title orc

Spieler mussten sich mit ihrer Spielwelt lange auseinandersetzen. Wer einmal auf dem Friedhof vom Dämmerwald war und tief in dessen Katakomben vordringen musste, der konnte sich auf gut eine Stunde Arbeit einstellen. Kein Vergleich zu heute, wo die gleichen Katakomben in drei bis vier Minuten gesäubert werden.

Heute ist man nach zwei oder drei Stunden mit einem Questgebiet fertig, doch damals konnte man sich mehrere Tage im Dämmerwald oder dem Un’goro-Krater aufhalten. Oft tat man das auch noch, nachdem die (ohnehin spärlichen) Quests abgeschlossen waren. Man grindete noch mehrere Stufen die gleichen Gegner und versuchte, Farm-Routen effizienter zu gestalten.

Bedrohung durch die Spielwelt

Im normalen „Solo-Spiel“ von World of Warcraft zu sterben ist inzwischen schwierig geworden. Wenn man nicht wahllos Gegner zusammenzieht, kann man im Grunde kaum sterben. Auch das war mal anders. Azeroth war eine tödliche Spielwelt, in der Gefahren hinter jeder Ecke lauerten.WoW Curse Worgen

Selbst in vermeintlichen „Solo-Gebieten“ gab es immer wieder starke Gegner, die für einen Spieler alleine zu mächtig waren.

Ein Beispiel dafür waren die Söhne von Arugal. Diese Elite-Worgen liefen durch den Silberwald und machten mit jedem kurzen Prozess, der sie nicht ganz genau im Blick behielt.

Ein zweites Beispiel, das fast überall vorkam, waren Murlocs. Diese gurgelnden Gegner waren wahre Monster, denn es war schier unmöglich, nur „einen einzigen“ von ihnen anzugreifen. Schnell kamen zwei, drei, vier weitere Murlocs heran und machten den Spielern das Leben zur Hölle.WoW Murloc

Begünstigt wurde das noch durch niedrige Regenerationsraten von Mana und Lebenspunkten. Nach fast jedem Kampf stand eine kleine Pause an und wer diese nicht nutzen konnte, weil schon der nächste Gegner im Anmarsch war, der fand sich häufig beim Geistheiler wieder.

Diese Atmosphäre war eine permanente Bedrohung und das sorgte für eine gewisse Unruhe, die viele Spieler genossen. Ein kleiner, zusätzlicher Nervenkitzel, der im aktuellen WoW vielen fehlt.

Soziale Interaktion war Pflicht

Dass World of Warcraft auch heute noch ein sehr soziales Spiel ist, das auf Gruppenaktivitäten einen großen Wert legt, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch damals war es umständlicher und schwieriger, gleichgesinnte Spieler zu finden.

Wer einen Dungeon betreten wollte und alleine auf der Suche war, konnte sich auf eine lange Zeit einstellen, in der er eine Gruppe zusammenstellen musste – manuell, mit persönlichen Whisper-Gesprächen. War das geschafft, mussten auch noch alle Spieler heil zum Dungeon kommen und etwaige Fehlerquellen beseitigt worden sein. Jäger, die zu wenig Pfeile dabei oder kein Essen für ihre Tiere haben, waren schon damals ein laufendes Klischee.WoW Female Mage Angry Cower title

Aus heutiger Sicht hat all dieses „Drumherum“, bevor es zum wirklichen Gameplay kommt, etwas nerviges. Doch ein bestimmter Teil an Spielern mochte genau das. Sie mochten es, sich mit anderen Spielern auseinandersetzen zu müssen und so langsam soziale Bindungen aufzubauen.

Die Bedeutung des einzelnen Spielers

Neben der sozialen Interaktion hat für viele Spieler aber auch der Ruf auf dem Server eine große Bedeutung. Damals waren Server in sich geschlossene Systeme. Es gab keine „Cross-Realm“-Funktionen, was wiederum bedeutete, dass die Spieler auf ein und demselben Server immer die gleichen waren. Täglich begegnete man den gleichen Gesichtern und Neulinge waren eine Seltenheit. Die Community jedes Servers bestand aus einer klaren Gruppe und so erhielt jeder Spieler langsam aber sicher einen Ruf.

Und genau mit diesen Umständen ging auch ein Gefühl von Ehre und Prestige hervor. Wenn sich herumgesprochen hatte, dass der Magier Thoribald ein kompetenter, freundlicher Magier ist, dann war man stolz. Solch ein Ruf verbreitete sich über Wochen und Monate auf dem Server. Es war ein gutes Gefühl und gab den entsprechenden Spielern viel Bestätigung.WoW human laugh troll title

Zwar kann man auch heute noch einen guten Ruf in WoW haben und sich freundlich benehmen, doch der Bekanntheitsgrad geht nur selten über die eigene Gilde oder Community heraus. Im Regelfall haben die „typischen Handelschannel-Trolle“ eines Servers mehr Bekanntheit.

Die Einfachheit der Spielwelt

Auch wenn dieser Punkt sicher kontrovers ist (und gerne in den Kommentaren diskutiert werden kann), war World of Warcraft in seiner „Classic“-Version ein Spiel mit weniger Komplexität. So gab es nur eine Spielwelt und keine unterschiedlichen Phasen, die je nach Quest-Stand ausgelöst wurden. Es gab kein „Sharding“, wenn zu viele Spieler an einem Ort sind, dann war es eben belebt. Dungeons und Raids hatten genau eine Schwierigkeitsstufe um sie zu bewältigen. WoW Ragnaros 5 Dinge Classic

Die World of Warcraft unterlag in den meisten Fällen klaren, eindeutigen Regeln ohne Abstufungen. Entweder man begnügte sich mit dem, was das Spiel einem gab, oder man lässt es. Auch die Anzahl der Endgame-Aktivitäten war geringer, im Grunde gab es „nur“ PvE und PvP in seiner Reinform – Dungeons, Raids und Schlachtfelder.

Ebenfalls für viele wichtig: World of Warcraft hatte keine Erfolge. Man fühlte sich einfach gut, wenn man etwas geleistet hatte und brauchte kein Achievement, das dafür aufploppte.

Die Regeln waren klar verständlich, simpel und direkt. Das wurde gemocht.

Das Original endlich mal erleben

Fakt ist, dass World of Warcraft inzwischen Spieler hat, die zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung noch nicht einmal geboren waren. Diese Spieler haben seit über einem Jahrzehnt immer wieder gehört, „wie toll Classic doch war“. Fast jeder kennt diesen einen Spieler in seiner Gilde, der ständig sagt „Ja, damals in Classic war das besser“ und dabei etwas an die Großeltern erinnern, die mit ihren „Wir hatten ja nichts, aber alles war besser“-Storys die Familientreffen bereichern.WoW Classic BfA Human judge title

Für diese Spieler ist WoW: Classic endlich die Möglichkeit, sich das „gelobte Land“ mal selbst anzuschauen, in dem alles so viel besser, so viel härter, so viel mehr „richtiges RPG“ und so viel anspruchsvoller war.

Ob dieser Teil der Spielerschaft jedoch langfristig von Classic begeistert sein wird, das bleibt abzuwarten.

Nostalgie

Der letzte Punkt ist ebenfalls nicht zu verachten und das ist die Nostalgie. Für viele Spieler war World of Warcraft die erste richtige MMO-Erfahrung und damit sind zahlreiche Erinnerungen verbunden. Die ersten Online-Freundschaften, das erste Mal eine große Spielwelt erkunden und zum ersten Mal ein Spiel zu erleben, das so viel komplexer ist, als alles was man zuvor erlebt hat. Diesen „Zauber“ erlebt man nur in seinem ersten MMORPG und kommt dann nie wieder. Genau deshalb verbinden ihn viele mit World of Warcraft und der Nostalgie-Faktor ist hoch.WoW Classic Header

Doch ob gerade der letzte Punkt reicht, um die Fans lange zu fesseln, ist fragwürdig. Denn objektiv betrachtet hat sich WoW in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und ist nun eher auf Spieler zugeschnitten, die viele unterschiedliche Hobbys oder einfach weniger Zeit haben. Und gerade das wird von Classic-Spielern abverlangt werden: Zeit.

Warum freut ihr euch eigentlich auf WoW-Classic? Was macht für euch den besonderen Reiz dieser alten Version des MMORPGs aus? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

von Cortyn
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