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Feb. 19, 2019 | 09:45 Uhr

Das Auswahlverfahren von YouTube hat bei diesen harmlosen Pokémon GO-Videos vollkommen überreagiert. Zwei Kanäle wurden gelöscht, weil YouTube die Wettkampfpunkte falsch verstanden hat.

Was ist passiert? Am Wochenende verloren zwei der größten YouTuber ihren Zugang zur Plattform. Die Kanäle Mystic7 (aktuell etwa 1,7 Millionen Abonnenten) und Trainer Tips (aktuell etwa 830.000 Abonnenten) waren am Sonntag, den 17. Februar, plötzlich gesperrt. Das konnte sich niemand erklären, weil die Betreiber dafür bekannt sind, familienfreundlichen Content zu produzieren.

YouTube warf ihnen vor, sexuelle Inhalte produziert zu haben.

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Wie lange waren sie gebannt? Die beiden Kanal-Betreiber Brandon Martyn (Mystic7) und Nick Oyzon (Trainer Tips) setzten sich mit YouTube in Verbindung und forderten, dass ihre Banns auf der Plattform erneut überprüft werden sollen. Später am Tag hatten die Nutzer ihre Kanäle zurück.

Die beiden YouTuber Mystic7 (links im Bild) und Trainer Tips (rechts im Bild)

Was war der Grund für den Bann? YouTube erkannte das Wort „CP“ in den Titeln der Pokémon-YouTuber. CP steht in Pokémon GO für Combat Points, auf Deutsch also die Wettkampfpunkte (WP).

CP gilt aber im Internet auch als Abkürzung für „Child Porn“, also „Kinderpornografie“. Hier hat der Algorithmus von YouTube CP also falsch interpretiert und kurzerhand die Kanäle dicht gemacht. Denn solch einen Content duldet YouTube nicht. Einer der Titel eines betroffenen Videos lautet:

„HIGHEST CP POKEMON YET IN POKEMON GO! Wild Dragonite! How Much CP Will it Be?“

Ein anderes Video trägt den Titel: „How to Get Stronger Pokémon with High IVs/CP in Pokémon GO“

In einem Video erklärt Mystic7, weshalb YouTube ihn bannte. Er bekam zuerst eine Warnung zu einem eigentlich harmlosen Video. Das sorgte schon für Verwirrung bei ihm. Denn eigentlich richten sich die Inhalte seiner Videos an alle Altersklassen. Kurz darauf gab es zwei „Strikes“ für ein anderes Video. Der Grund: „Sexueller Inhalt“.

In einer E-Mail von YouTube bezüglich der Banns an Mystic7 und Trainer Tips steht:

YouTube ist nicht der Platz für Nacktheit oder sexuell provozierende Inhalte. Sexuelle Inhalte in Zusammenhang mit Minderjährigen sind besonders kritisch. YouTube verbietet das Hochladen, Kommentieren oder das Ausüben jeder Art von Aktivitäten, die Minderjährige sexualisieren.

Nick von Trainer Tips betont in seinem Tweet nochmal, dass CP für Combat Points steht. Er sei auch dafür, dass man etwas gegen unangebrachte Inhalte unternimmt. Doch der Algorithmus von YouTube sollte den Kontext einbeziehen und nicht einfach drauf losbannen.

Was sagt YouTube dazu? Gegenüber Polygon erklärt ein Sprecher von YouTube, dass die Kanäle der YouTuber fälschlicherweise offline genommen wurden. Es heißt, dass bei dem enormen Volumen an Videos auf YouTube manchmal Fehler passieren. Man gebe den Uploadern allerdings die Möglichkeit, gegen die Entscheidung vorzugehen.

Was die YouTuber bemängeln: In der Zeit, in der die Kanäle nicht erreichbar waren, konnten sie kein Geld verdienen. Wer das hauptberuflich macht und von den Einnahmen abhängig ist, muss sich hier auf einen Algorithmus verlassen, der ohne Kontext Kanäle sperren kann.

Nick von Trainer Tips wünscht sich explizit: Manuelle Überprüfung durch einen Menschen, bevor man Kanäle einfach schließt.

In Vergangenheit gab es wohl auch schon Probleme mit der Abkürzung CP. Wie Nick Oyzon in einem seiner Videos erklärt, hatten auch Wrestling-Videos Probleme. Die nutzten CP im Titel als Abkürzung für den Wrestler CM Punk. Auch Kanäle für Club Penguin nutzten die Abkürzung CP und wurden daraufhin gelöscht.

Nun sind die beiden Trainer vermutlich auch gespannt darauf, was sich hinter dem neuen Ladebildschirm mit Farbeagle verbirgt. Hier gibt’s einen Einblick:

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