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Jan. 29, 2019 | 10:24 Uhr

Der Release des Online-Shooters Overkill’s The Walking Dead auf PC war ein Desaster für Publisher Starbeeze. Der gefeuerte CEO des Studios suchte die Schuld anschließend bei den Entwicklern, die laut ihm nicht sorgfältig genug gearbeitet haben

 

Was ist passiert? Am 6. November 2018 erschien die PC-Version des Online-Shooters Overkill’s The Walking Dead. Allerdings zeigten sich sowohl Spieler als auch Fachpresse wenig begeistert vom Titel.

Bugs und schlechte Optimierung ruinierten für viele das Spielgefühl. Die Release-Version wirkte wie ein unfertiges Budget-Spiel und erntete entsprechend harte Kritik und schlechte Wertungen.

Wie anhand von Steamcharts zu sehen ist, sinken die Spielerzahlen immer weiter. Die Verkaufszahlen lagen deutlich unter den Erwartungen, wie Publisher Starbreeze selbst zugab.

Ein Release von Overkill’S The Walking Dead für PS4 und Xbox One wurde mehrfach verschoben. Manche zweifeln daran, ob das Spiel überhaupt kommt.
Overkill-The-Walking-dead-2

Welche Konsequenzen zog der Publisher daraus? Der Start von Overkill’s The Walking Dead verlief so desaströs, dass Bo Andersson, CEO von Starbreeze, das Unternehmen verlassen musste.

Die Konsolenversion des Spiels wurde auf unbestimmte Zeit verschoben und die Aktien von Starbreeze brachen ein. Schließlich am es noch zu einer Razzia in der Firma, da der Verdacht auf Insiderhandel aufkam.

Das ist umso erstaunlicher, weil Starbreeze über Jahre als riesiger Erfolg galt. Das schwedische Studio hatte mit Payday 2 einen Megaseller war in den letzten Jahren auf Einkaufstour. Die gaben Millionen aus – allerdings wurde das Geld wohl nicht klug investiert, wie ein großer Insider-Report von Eurogamer zeigt.

Eine unprofessionelle Reaktion

Wie reagierte der entlassene Chef? Bo Andersson verfasste, laut Eurogamer, noch eine Abschiedsmail an die Belegschaft.

In dieser Mail schreibt er, dass er in Scheidung lebt sowie sein ganze Geld und das Sorgerecht für die Kinder verloren habe, weil er die letzten zwei bis drei Jahre mit 100-Stunden-Arbeitswochen dafür sorgte, dass die Entwickler bezahlt werden konnten. Da seiner Meinung nach jedoch immer weniger Mitarbeiter Wert auf Sorgfalt legen würden, wirke sich dies auf die Qualität aus, die man in einer bestimmten Zeit erreichen könne. Er hätte auf diese Situation reagieren müssen, schrieb er.

Mit anderen Worten: Bo Andersson glaubt, dass die Entwickler von Overkill’s The Walking Dead nicht sorgfältig genug gearbeitet haben und das Spiel deswegen ein Misserfolg ist. Diesen Eindruck bestätigen auch Mitarbeiter von Starbreeze, welche von Eurogamer anonym befragt wurden.

Das sagen die Mitarbeiter: Die so harsch kritisierten Mitarbeiter fühlen sich veräppelt, denn im Vorfeld der Entwicklung kam es zu einer monatelangen, heftigen Crunch-Time mit teilweise 100-Stunden-Wochen.

Mitten in der Entwicklung musste die Engine gewechselt werden. Mit der Unreal-Engine kannten sich die Entwickler aber noch nicht gut aus. All dies führte zu Verzögerungen und schließlich der von Mitarbeitern beschriebenen Crunch-Time. Dass dies nun so dargestellt wird, als hätte das Team nicht genug Einsatz gezeigt, ist ein harter Schlag.

Overkills The Walking Dead Grant

Was sagt der neue CEO dazu? Inzwischen führt Mikael Nermark die Geschäfte. Er reagierte auf den Brief seines Vorgängers und erklärte, dass das gesamte Team sehr hart am Spiel gearbeitet hat. Die Arbeitseinstellung der Mitarbeiter sei sehr hoch und wenn es notwendig war, wurden einzelne Personen gefragt, ob sie Überstunden machen würden. Eine reguläre Crunch-Time wollte man bewusst vermeiden.

„Ich persönlich schätze und respektiere die harte Arbeit, die alle unsere Mitarbeiter in all unseren Projekten geleistet haben“, meint er. „Wir werden sorgfältig dafür sorgen, dass jeder Raum hat, um großartige Spiele zu kreieren, die auf dem jeweiligen Fachwissen basieren – mit klaren Zielen, die auf eine Person festgelegt sind und zu unserer zukünftigen Gesamtstrategie passen.“

Wie es nun mit Starbreeze weitergeht, wird man noch sehen. Viele Spieler machen sich Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und die der Spiele, welche über den Publisher erscheinen sollen. Darunter auch das heiß erwartete Action-Rollenspiel System Shock 3.

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