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Jan. 03, 2019 | 10:11 Uhr

MeinMMO Autor Andreas Bertits ist verheiratet, hat drei Kinder und arbeitet Vollzeit. Er erklärt, wie das zeitintensive Hobby MMORPG trotzdem klappt.

Immer mehr Spieler beschweren sich darüber, weniger Zeit für die Inhalte in zeitintensiven MMORPGs zu haben.

Wer sich dafür entscheidet, eine Familie zu gründen, der muss Kompromisse bei den Hobbys eingehen. Gerade bei MMORPGs kann das schwierig werden. Hier ist einfach Umdenken angesagt, um weiterhin Spaß haben zu können.

Ultima Online - einer der Vorreiter bei den Sandbiox-MMOs

Spielen als Teil des jugendlichen Lebens

Ach, was habe ich früher Nächte durchgezockt.

Meine ersten Schritte im MMORPG-Genre unternahm ich 1997, als Ultima Online veröffentlicht wurde. Als Fan der Ultima-Reihe musste ich den Online-Ableger einfach spielen. Das war aber zu jener Zeit alles andere als einfach. Denn Internet-Flatrates gab es noch nicht und flatterte die monatliche Telefonrechnung ins Haus, schwitzte ich das eine oder andere T-Shirt durch, weil ich befürchtete, mal wieder über meinem Budget zu liegen.

Hinzu kamen technische Probleme mit der Telefonanlage. Zwar besaßen wir bereits eine ISDN-Leitung, allerdings warf mich unsere Telefonanlage immer dann aus den Netz, wenn jemand anrief.

Nichtsdestotrotz spielte ich, so viel ich nur konnte. Everquest kam 1999 hinzu. Im selben Jahr lernte ich jedoch auch meine spätere Frau kennen. Das Zocken rückte ein wenig in den Hintergrund. Allerdings ist meine Frau ebenfalls begeisterte Spielerin, weswegen wir unser Hobby gemeinsam genießen konnten. Vor allem Diablo 2 wurde exzessiv online gespielt.

Diablo 2 Artwork

Wie Job und Familie alles verändern

2003 bekam ich das Angebot, ein Volontariat beim Computec Verlag antreten zu können. Ich ließ mich also zum Redakteur ausbilden. Vorteil war, dass ich nun sehr viele Spiele zocken „musste“, darunter auch jede Menge MMORPGs.

2004 wurde meine erste Tochter geboren. Und schlagartig änderte sich alles.

Man hört oft, dass sich das Leben mit der Geburt eines Kindes um 180 Grad dreht und denkt dann: „Ja, ja. Redet nur. Bei mir passiert das nicht!“ Doch genau diese radikale Veränderung, von der alle reden, ist eingetreten. Und zwar in vielerlei Hinsicht.

division-baby-agent

Während ich mir vorher weniger Gedanken um meine Zukunft gemacht habe und vielleicht nicht gerade der verantwortungsbewussteste Mensch der Welt war, erkannten mich Freunde und Familie nach der Geburt meiner Tochter nicht wieder.

Ein Kind bedeutet viel Arbeit, die man als Vater nicht auf die Mutter alleine abwälzen kann. Und ein Kind fordert sehr viel Aufmerksamkeit. Also rückte das Spielen immer weiter in den Hintergrund, da die Kleine beschäftigt werden wollte und immer weniger Zeit zum Zocken übrig blieb.

Auf der Arbeit konnte ich zudem nicht mehr so viele Überstunden machen, sehr zum Leidwesen der Chefs. 2008 kam meine zweite Tochter zur Welt und 2011 die dritte. Und jedes Mal kommt ein weiterer Mensch ins Leben, der Zeit und Aufmerksamkeit braucht und um den man sich kümmern muss. Es ist ein Balance-Akt, Familie, Arbeit und Freizeit unter einen Hut zu bekommen.

World of Warcraft Warlords of Draenor

Spielen funktioniert noch, aber anders

Und doch ist es mir nach wie vor wichtig, zu spielen. Es ist ein Teil von mir, den ich nicht aufgeben möchte. Die Zeiten, zu denen ich jede Minute Freizeit am Computer in anderen Welten verbracht habe, sind allerdings vorbei. Dennoch bleibt noch Zeit zum Spielen übrig. Diese will dann sinnvoll genutzt werden.

Stundenlange Raids, die früher in World of Warcraft an der Tagesordnung standen, sind zur Seltenheit geworden und müssen genau geplant werden – und selbst dann kommt oft was dazwischen. Zu versuchen, der mächtigste Spieler des Servers zu werden oder zumindest, mit anderen Spielern mitzuhalten, ist im Grunde unmöglich geworden.

Nun könnte man sich natürlich gewisse Booster in Ingame-Shops kaufen, doch als Familienvater stelle ich mir dann die Frage, ob ich das Geld nicht irgendwie sinnvoller ausgeben könnte. Mit einem Kinobesuch beispielsweise, der bei einer 5-köpfigen Familie heutzutage richtig ins Geld geht.

Dennoch spiele ich noch MMORPGs. Allerdings anders als früher. Es ist mir nicht mehr wichtig, zu versuchen, mit anderen Spielern mitzuhalten. Ich begebe mich nicht mehr auf die Jagd nach allen Set-Items, ich grinde nicht gerne oder versuche, die Spielmechaniken zu analysieren, um den besten Build zu bekommen. Ich spiele nach meinem eigenen Rhythmus.

Elder Scrolls Online Argonier kampf

Man muss seinen eigenen Spaß finden

Mir geht es darum, in der Zeit, die ich in einem MMO verbringen kann, so viel Spaß wie möglich zu haben. Und das funktioniert bei mir meistens über die Story und über Quests. Und über das Erkunden der Spielwelt.

Besonders dankbar bin ich den Entwicklern, die auch mal kürzere Quests in ein Onlinespiel einbauen. Missionen, die sich mal schnell in 15 Minuten erledigen lassen. Natürlich spiele ich weiterhin längere Quests.

Es ist eben die Möglichkeit, zwischendurch mal schnell was erledigen zu können und ein Erfolgserlebnis zu genießen, was ein MMO für mich attraktiv macht. Während andere dies nicht so gut finden, freue ich mich darüber, dass immer mehr Entwickler Inhalte für Spieler wie mich anbieten.

final fantasy xiv blaumagier cast

Ich habe nach wie vor großen Spaß in Online-Rollenspielen und probiere gerne mal neue Titel aus.

Wenn ich mal den Auftrag bekomme, ein MMORPG zu testen, dann genieße ich diese Zeit besonders, da ich dieses Spiel dann ja intensiver spielen „muss“. Das erweckt dann die Erinnerung an frühere Zeiten.

Doch generell in meiner Freizeit hat es sich aufgrund von Job und Familie stark verändert, wie ich spiele. Kürzere Spielsitzungen sind angesagt, die so spannend wie möglich sein sollten und in denen ich trotz der kurzen Zeit Erfolgserlebnisse genießen kann.

neverwinter ps4 2

Manche mögen das vielleicht schade finden, ich habe mich damit arrangiert und finde es gut so. Man verändert sich eben mit der Zeit und andere Dinge finden ihren Weg ins Leben, um die man sich zusätzlich kümmern muss. Das hat auch die Spieleindustrie erkannt und bietet entsprechend Inhalte für Spieler mit weniger Zeit an.

Da bin ich froh, mein Hobby trotzdem noch auf meine Weise ausleben zu können. Und genau das ist doch das Gute an Computerspielen und in diesem Fall an Onlinegames. Man hat oft die Möglichkeit, die Spiele auf seine ganz eigene Weise genießen zu können.

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