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Special
May. 04, 2019 | 10:30 Uhr

Es hat für viel Unverständnis gesorgt, dass der Titel „Diablo Immortal“ so zentral auf der Blizzcon 2018 gezeigt wurde. Dabei ist der Mobile-Titel zentral wichtig für die Zukunft von Activision Blizzard und fürs Gaming im Westen, sagt unser Autor Schuhmann.

Das ist das Problem: Es fällt auch gut informierten Spielern immer schwerer, noch nachzuvollziehen, was die großen Publisher eigentlich so treiben.

Activision Blizzard hat etwa kein großes Spiel in der Pipeline. Es ist gerade nichts angekündigt oder in der Mache, obwohl der Publisher zu den größten Gaming-Unternehmen überhaupt gehört.

Gut, 2019 soll ein Call of Duty und Diablo Immortal sind angekündigt, aber sonst ist nichts groß bekannt.

Höhepunkt der Irritation war die Blizzcon 2018, als Blizzard mit „Diablo Immortal“ als Highlight der Messe ein Mobile-Spiel vorstellte und das vor einer Menge an PC-Fans, die Diablo 4 erwarteten.

Die Kluft zwischen dem, was Publisher tun, und dem, was die Fans von ihnen erwarten, scheint immer größer zu werden:

  • Aber warum ist Diablo Immortal so wichtig für Activision Blizzard?
  • Und warum verstehen wir immer weniger, was hinter den Aktionen der Publisher steckt?
DIablo Immortal Monk Intro Titel

Wer erobert den Mobile-Markt?

Die Situation von Mobile-Games: Die Publisher beschäftigt seit Jahren eine Frage, mit der sich Core-Gamer kaum befassen: Wer erobert den Mobile-Markt im Westen?

Die Publisher haben den Mobile-Markt als den großen Bereich ausgemacht, der Wachstumspotential und Geld bietet. In Asien werden hier schon riesige Summen umgesetzt, auch im Westen wächst der Mobile-Markt stark.

Newzoo-Mobile-Markt-2018
Das sind Zahlen aus dem April 2018 von NewZoo, die den boomenden Mobile-Markt beschreiben.

Es gibt hier aber eine große Diskrepanz:

  • Bei uns im Westen sind Mobile-Games vor allem „Casual Spiele“ wie Candy Crush – das gehört Activision Blizzard schon. Diese Spiele richten sich eher an neue Zielgruppen und nicht an die typischen Stamm-Gamer
  • In Asien sind die Top-Mobile-Games aber eigentlich Core Games – also Spiele mit durchaus vorhandener Tiefe und komplexeren Spiel-Mechaniken und RPG-Elementen. Auch sie erschließen neue Zielgruppen, aber decken auch Gamer ab
Fate Grand Order Saber
Ein Riesen-Hit in Japan.

Diese Mobile-Spieles sind in Asien erfolgreich: In Asien haben sich mehrere „typische“ Spielformeln oder Modelle etabliert:

  • In Japan ist etwa ein „Helden-Sammel“-Spiel mit Anime-Elementen wahnsinnig erfolgreich – dort ist „Fate/Grand Order“ ein Milliarden-Hit
  • In China hat sich ein mobile Version von League of Legends als großer Geldbringer etabliert: Honor of Kings (bei uns Arena of Valor) erzeugt dort Suchtgefahr
  • In Südkorea geht der Trend dahin, dass man erfolgreiche, alte PC-MMORPGs auf Mobile spielt – wie Lineage oder Lineage 2. Auch neue Versionen dieser Marken spielen dort viel Geld ein.
SuperData März 2019

Diese und ähnliche Modelle verdienen in Asien das ganz große Geld, während bei uns eher Pokémon gejagt werden oder Mario durch die Gegend springt.

Der neueste Asien-Hit aus dem März 2019 war mit „Perfect World“ ein 14 Jahre altes MMORPG, das jetzt im chinesischen Mobile-Launch im neuen Glanz erstrahlt.

Perfect-World
Perfect World – der neueste Hit aus Asien.

Hinter diesen Hits in Asien stecken oft „klassische Gaming-Publisher“, wie etwa Tencent (LoL), NetEase, Nexon oder NCSoft (Lineage).

Firmen, die früher nur für den PC entwickelt haben und denen der Sprung in die neue Mobile-Zeit gelang.

Dazu kommen neue Firmen wie Netmarble, die gezielt auf Mobile gehen.

Quelle: Gameswirtschaft (via NewZoo – Stand April 2019)

Bei den Börsenwerten haben einiger solcher asiatischen Firmen, die den Mobile-Wechsel geschafft haben, mittlerweile die klassischen westlichen Publisher an Wert überholt.

Klar ist: Die westlichen Publisher wollen auch diesen Sprung schaffen. Sie wollen von PC-Firmen zu Firmen werden, die auch auf Mobile Geld verdienen.

Und damit müssen sie sich beeilen.

traha naiad burg
Traha, ein neues Mobile-Game von Nexon

Die Asiaten kommen

Das ist zuletzt passiert: 2017 und 2018 haben die großen asiatischen Publisher versucht, ihre Core-Mobile-Games aus Asien im Westen zu Erfolgen zu machen.

Mit relativ großem Aufwand wurden Spiele wie Lineage 2 Revolution und Arena of Valor (Honor of Kings) in den Westen gebracht. Dazu hat man Promis wie Conan O’Brien oder Hearthstone-Streamer angeheuert.

Der große Erfolg blieb aber aus.

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Mit Conan O’Brien startete Lineage 2 Revolution im Westen.

Allerdings ist der westliche Markt trotzdem in den Fokus der Asiaten geraten: Denn „westliche Überraschungshits“ wie „Clash of Clans“ oder „Clash Royale“ kommen zwar aus Schweden. Die Firma dahinter, Supercell, hat sich mit Tencent aber schon ein Asien-Riese geholt.

Auch der große Erfolg von Fortnite auf Mobile-Geräten spielt Tencent in die Taschen, denn die sind stark an Epic beteiligt.

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Das passiert jetzt gerade: 2019 sind jetzt die etablierten „westlichen“ Publisher so weit und wollen selbst den Coregamer-Markt im Westen bei Mobile mit ihren Marken erschließen:

Die Idee ist es offenbar, die eigenen „starken Marken“ als Türöffner zu nutzen, um so die Spieler zu begeistern.

Activision-Finnazbericht-Free2Play
Wichtiger Teil der Strategie von Activision Blizzard: Mobile

Das erklärte Ziel von Activision Blizzard ist es etwa, hier führend im Mobile-Bereich im Westen zu werden. Das will man dadurch erreichen, dass man seine etablierten Kern-Franchises auf Mobile bringt.

Schon seit Jahren gibt Activision Blizzard die Parole aus, die Kern-Franchises auf Mobile zu portieren:

  • So kann man Hearthstone schon als ersten Versuch sehen, obwohl das sehr spät auf Mobile kam
  • Mit Diablo Immortal wird jetzt wohl demnächst der erste „große Versuch“ unternommen.
  • Danach dürfte Warcraft folgen, wahrscheinlich als Strategie-Spiel.
  • Call of Duty Mobile läuft zur Zeit an

Je nachdem, ob dieser Versuch erfolgreich ist oder nicht, könnte es die Zukunft des Gamings hier im Westen deutlich beeinflussen.

In jedem Fall erklärt es, warum man in letzter Zeit so wenig Neues von Activision Blizzard hört: Die sind gerade an ihrer Mobile-Offensive dran.

Deshalb ist es spannend: Allerdings scheint sich der Westen viel stärker gegen Mobile zu wehren, als das in Asien der Fall war. Das könnte schon an der Kultur liegen, weil sich das Gaming in beiden Kulturkreisen anders entwickelt hat, als man von der klassischen Spielhalle mit Gaming-Automaten weg ist:

  • hier im Westen haben viele Spieler eigene Konsolen mit großem Fernseher und Setup oder hochwertige Gamer-PCs
  • in Asien spielten ohnehin viele in der Öffentlichkeit, in PC Bangs, auf „fremden PCs“

Die „Core-Gamer“ hier im Westen haben bei den Versuchen der westlichen Publisher bisher gezeigt, dass sie Widerstand leisten, auf Mobile „gezwungen“ werden.

The Elder Scrolls Blades Aufmacher
Umstrittenes Spiel aktuell: Elder Scrolls Blades.

Das bekamen die westlichen Publisher jetzt einer nach dem anderen zu spüren:

Es wird also spannend sein, wie sich dieser Kampf um den westlichen Mobile-Markt tatsächlich auswirkt. Daher scheint Blizzard mit der Veröffentlich von Diablo Immortal auch noch zu zögern.

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