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Dec. 30, 2018 | 09:00 Uhr

Seit dem Launch von Destiny 2 hat das Everversum immer mehr an Bedeutung verloren. Mittlerweile ist der Ingame-Shop an einem Punkt angelangt, wo man ihn im Prinzip gar nicht mehr braucht, meint unser Autor Sven. Doch wie geht es mit dem Laden von Tess weiter?

Was war das Problem mit dem Everversum? Das Everversum sorgte in der Anfangszeit von Destiny 2 für ordentlich Ärger. Zahlreiche Items wie Sparrows oder Geister, die in Destiny 1 noch im regulären Loot-Pool zu finden waren, gab es zunächst nur über das Everversum.

Zwar konnte man auch damals durch Spielen an Everversum-Engramme kommen, doch dauerte es extrem lange und die Prämien waren stark vom Zufall geprägt. Oftmals sah man sich fast gezwungen, mit Echtgeld nachzuhelfen.

Später kam sogar raus, dass es ein EXP-Problem in Destiny gab: Spieler erhielten nicht so viele EXP wie angezeigt. Dadurch gab es selten kosmetische Items. Bungie sagte dazu selbst im Nachhinein, dieser Vorgang habe sie als „gierige Trottel“ erscheinen lassen.

Zudem war das Sortiment des Ingame Shops fast größer, als der Loot Pool des „Fluch des Osiris„-DLCs.

destiny-2-everversum

So hat sich das Everversum seit dem Launch verändert: Durch lautstarke und anhaltende Proteste der Spieler zog Bungie die Notbremse und überarbeitete Anfang 2018 den ungeliebten Cash Shop. Seitdem wurde das Everversum immer weiter abgeschwächt und hat an Bedeutung verloren. Das waren die wichtigsten Änderungen:

  • Items wie Geister oder Sparrows wurden als Belohnungen für bestimmte Aktivitäten integriert und sind nicht länger nur über das Everversum erhältlich.
  • Die Prisma Matrix wurde eingeführt. Dieses System erlaubt Spielern, bestimmte Items aus einem begrenzten wöchentlichen Pool gezielt zu jagen.
  • Man kann jetzt durch spezielle Charakter-Boosts wöchentlich mit vergleichsweise wenig Aufwand 9 oder mehr Everversum-Engramme (3 pro Charakter) verdienen – rein durch Spielen. Daraus erhält man fast alle Items aus dem regulären Everversum-Sortiment.
  • Einige der wertvollsten Items wie Ornamente droppen nicht mehr als Duplikate.
  • Für Spezial-Events wie den Anbruch, die Scharlach-Woche oder die Sonnenwende der Helden gilt ein Knockout-System. Ihr werdet keine Duplikate von Event-Items aus dem Event-Loot-Pool erhalten, bis ihr nicht alles zumindest einmal bekommen habt.

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  • Das Everversum bietet mittlerweile sogar eigene Bounties, die Euch für relativ einfache Aufgaben, die problemlos nebenbei erledigt werden können, mit Glanzstaub belohnen. Dabei handelt es sich um eine Everversum-Währung, mit der die meisten Items direkt gekauft werden können.
  • Nur sehr wenige ausgewählte Items können nur mit Echtgeld erworben werden.
  • Mit der Einführung der Sammlungen kann man problemlos zahlreiche Everversum-Items zerlegen, ohne sie dabei gänzlich zu verlieren. Dadurch erhielten zahlreiche Spieler einen stolzen Vorrat an Glanzstaub, den sie dann für neue Items im Everversum ausgeben können. Es ist insgesamt leichter geworden, an Glanzstaub zu kommen.

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Deshalb ist das Everversum überflüssig geworden: All diese Änderungen haben nun schlussendlich dazu geführt, dass das Everversum an sich kein wirklicher Cash Shop mehr ist und in seiner aktuellen Form keinen Sinn ergibt.

Der Laden von Tess Everis ist aus wirtschaftlicher Sicht in meinen Augen komplett irrelevant geworden, da man dort im Prinzip keinerlei Geld mehr ausgeben muss. Die meisten Inhalte lassen sich mittlerweile problemlos erspielen oder mit Glanzstaub erwerben.

Es gibt nur sehr wenige Items, die tatsächlich mit Echtgeld gekauft werden müssen. Und selbst die unterscheiden sich qualitativ nicht wirklich von den übrigen Inhalten und bieten kaum Anreize für einen Echtgeld-Kauf. Man hat also einen Store, der noch Mikrotransaktionen anbietet, die jedoch eigentlich kaum noch jemand braucht.D2 dawning titel (1)

Wie geht es weiter mit dem Everversum? Im aktuellen Zustand sollte Bungie sich entweder komplett vom Cash-Shop-Modell verabschieden und die Everversum-Items allesamt ins Spiel integrieren oder nur über Engramme sowie Glanzstaub erhältlich machen, oder den Shop mit neuen Ideen füllen.

Würde sich Destiny 2 von den Mikrotransaktionen distanzieren, die zumindest aktuell kaum noch eine Rolle spielen, wäre das ein deutliches Zeichen in Richtung Community und würde zudem ein rundes Spielerlebnis schaffen, wo man den gesamten Loot auch tatsächlich im Spiel bekommen kann. Für Destiny 2 wäre das ein großer Schritt.

Doch dazu wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen. Ohne zusätzliche digitale Einnahmen scheint Destiny 2 nicht gut genug zu funktionieren – zumindest für den Publisher. Das Everversum wird also vermutlich nicht mehr lange so bleiben, wie es ist.d2 ghost 3

Denn Destiny 2 bleibt bei den Zahlen offenbar hinter den Erwartungen zurück. Das hat der Publisher Activision im Rahmen eines Earnings Calls verlauten lassen und im gleichen Zuge angekündigt, Destiny 2 schneller mit Inhalten zu beliefern und neue Formen der Monetarisierung einzuführen. Ob das neue Annual Pass Modell dabei ausreicht, bleibt meiner Meinung nach zu bezweifeln.

Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass Destiny 2 im Zuge dieser Aussage künftig wieder verstärkt auf das Everversum setzen wird – sei es nun im Rahmen eines möglichen Free-to-Play-Modells mit Fokus auf den Ingame Store der komplett neuer Features, die exklusiv und nur mit Echtgeld über das Everversum erhältlich sein werden. Dabei müsste es sich jedoch um Inhalte handeln, für die Spieler bereit wären, Echtgeld auszugeben.d2 temporal emote

Vorstellbar wäre hier, dass das Everversum zusätzlich zum Annual Pass Modell kosmetische Features wie beispielsweise Housing im Inneren der Raumschiffe oder umfangreiche kosmetische Anpassungen des Charakters bietet – in Form von zusätzlichen und nachträglichen Optionen im Charakter-Editor.

Das haben sich zahlreiche Fans bereits in Destiny 1 gewünscht.

Das Housing wäre etwas, wofür ich durchaus bereits wäre, den ein oder anderen Euro springen zu lassen. Auch das neue Feature Temporal-Welle schlägt dabei in die gleiche Richtung. Für das ein oder andere coole Emote würde ich beim Direktkauf ohne Weiteres Geld ausgeben.D2 fotl title 2

Es bleibt auf jeden Fall spannend, was Destiny 2 aus dem Everversum macht. Denn so schön es auch wäre – ganz ohne Cash Shop scheint es offenbar nicht zu gehen.

Doch leicht wird es für Bungie und Activision nicht. Denn das Everversum selbst ist aktuell an einem Punkt angelangt, wo es zwar als Ingame Store überflüssig ist, jedoch wohl gerade deshalb von vielen Spielern akzeptiert und als fair angesehen wird.

Ein erneuter Fokus auf den Cash Shop könnte nach hinten losgehen. Doch dass der Ingame Shop noch lange in seinem aktuellen Zustand verbleibt, ist meiner Meinung nach unwahrscheinlich.

Was denkt Ihr? Macht den Shop in seiner aktuellen Form in Euren Augen überhaupt noch Sinn? Wie wird es mit dem Everversum weitergehen? 

von Sven
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