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Feb. 14, 2019 | 11:35 Uhr

Lange Zeit war Destiny 2 der Platzhirsch in seinem Genre. Jetzt wird die Marke von neuen Titeln wie Anthem oder Apex herausgefordert. Was muss Destiny tun, um auch in Zukunft relevant zu bleiben?

Das ist die Situation: Destiny hat 2014 zwei Sachen als neue Ideen in die Gaming-Welt gebracht:

Über lange Jahre war Bungie mit Destiny hier Vorreiter. Aber aktuell wird Bungie von neuen Spielen herausgefordert.

Destiny

Die neuen Shooter ähneln Destiny nicht unbedingt – es gibt große Unterschiede: Anthem ist eher RPG als Shooter. Aber alle neuen Spiele setzen auf die Elemente, die Destiny groß gemacht hat, in der ein oder anderen Form:

  • Titel wie Fortnite oder nun APEX verändern sich ständig, bleiben aktuell, patchen mit viel höherem Takt als Destiny und verändern die Welt. Es gibt öfter was Neues.
  • Frische Spiele wie Anthem, The Division 2 oder auch Monster Hunter World versprechen diese PvE-Erfahrung, gemeinsam mit Freunden was zu unternehmen und Loot zu sammeln. Und sie haben einen Vorteil gegenüber Destiny: Sie sind frisch.

Obwohl Destiny als Marke fünf Jahre Vorsprung hat, scheint die Position als Platzhirsch plötzlich gefährdeter denn je zu sein.

Was sollte Destiny sein, um relevant zu bleiben? Bei der aktuellen Lage ist die Idee, dass Destiny als „PvP-Spiel“ glänzen kann, ziemlich aussichtslos. Das hat Bungie zwar mehrfach versucht, dabei aber mehr kaputt gemacht als verbessert.

Im PvP-Markt dominieren „Free2Play“-Titel mit maximaler Zugänglichkeit wie Fortnite oder Apex. Die Spiele muss man nicht mal kaufen und kann sofort loslegen, ohne den Helden erst zu leveln und auszurüsten. Der Weg ins PVP scheint für Destiny mittlerweile geschlossen zu sein.

Wenn Destiny ein „PvP-Megahit“ hätte werden können, dann wäre es das irgendwann in den letzten 5 Jahren sicher schon gewesen.

apex-lifeline

Destinys Top-Option ist es, ein „PvE-Shooter“ zu sein, der die Lücke „Coop-und-Lootshooter“ für sich beansprucht, auf Teamplay setzt und von dem überragenden Gunplay lebt.

In diesem Bereich gibt es keine Alternative zu Destiny. Die kommenden Rivalen unterscheiden sich vom Gameplay stark, sind keine Ego-Shooter.

Einzig ein mögliches Borderlands 3 könnte in die Richtung gehen, wenn Gearbox in diesem Jahrzehnt noch irgendwas macht.

Destiny Artwork Niederlage

Das ist das Haupt-Problem von Destiny: Wir können lange über Schwierigkeiten bei Destiny sprechen, über Fehlerchen und Sachen, die dringend verbessert werden müssen. Spieler machen das bei Destiny auch seit Jahren.

Man diskutiert über die Balance im PvP, die Art, wie Bungie kommuniziert, oder dass dedizierte Server fehlen.

Und natürlich ist auch eine gewisse Erschöpfung eingetreten. Die Spieler kennen jetzt Destiny seit 5 Jahren, wissen wie Bungie arbeitet, haben viele Sprüche schon oft gehört, kennen die Nasen der Entwickler und sehnen sich nach etwas Neuem und Frischen.

Das eigentliche Kernproblem, das allen anderen Schwierigkeiten zu Grunde liegt, ist aber: der Content-Mangel.

destiny-uldren

Das ist von Beginn an das zentrale Problem: Destiny gibt Spielern das Gefühl, die Welt könnte riesig sein und an jeder Ecke könnte es zu neuen Abenteuern gehen, aber diese Abenteuer lassen auf sich warten.

Auch alle cleveren Systeme von Bungie, wie die Resets, brauchen regelmäßig neue Inhalte. Ohne neue exotische Waffen ist Xur nur ein Typ mit Tentakeln im Gesicht.

Im Prinzip lebt Destiny seit 5 Jahren davon, den Spielern mehr zu versprechen, als eigentlich da ist.

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Aus Sicht der Spieler könnte alle 3 Monate eine Erweiterung der Größe von „The Taken King“ oder „Forsaken“ erscheinen und sie würden das mit Freude verzehren. Alle 2 Wochen ein neuer Strike, alle 4 ein frischer Raid, immer mal wieder Überraschungs-Events und neue Questlinie, dazu gelegentlich frische Exotics – all das würden Spieler mit Wonne konsumieren.

Wie gierig die Spieler auf Abwechslung sind, sieht man etwa daran, wie eine „spontane Quest“ um die „Wispern des Wurms“ plötzlich alle begeistert hat.

Allerdings kommen Highlights wie Forsaken nur einmal alle 12 Monate und dazwischen ist meistens wenig los.

Bungie versucht mit Tricks, Time-Gates, Grinding und Recycling die langen Content-Pausen zwischen den „Glanzlichtern“ zu überbrücken, aber das war bislang nicht genug. Dieser „Ersatz-Content“ sieht mittlerweile immer schwächer aus, wenn es jetzt starke, frische Konkurrenz gibt oder Spiele, die viel lebendiger scheinen.

Destiny Artwork

Wie wollte Bungie dieses Problem bisher lösen? Als Bungie 2014 begann, war die Lösung für Content-Mangel: „Wir haben einfach riesige Dimensionen.“ Es gab Bilder von gigantischen Bürogebäuden. Bungie soll hunderte Mitarbeiter beschäftigt haben.

Damals hieß es etwa, Bungie hätte ein „Multiplex-Kino“ gekauft und zu einem Riesenbüro umgewandelt, um zig Entwicklern Platz zu bieten.

Schnell wurde klar: Auch wenn es hunderte Entwickler waren, waren es noch zu wenige. Der vorbereitete Content-Nachschub war bis September 2015 aufgebraucht und dann kam nichts mehr.

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Schon früh begann dann die interne Umstrukturierung in verschiedene Teams. Während manche Trupps an „neuen Sachen“ arbeiteten, sollten andere das laufende Spiel mit kleineren Updates unterstützen (das Live-Team. Doch das führte zu „dauer-recyclten Inhalten“, die auf die Stimmung drückten.

2017 schien man dann eine Lösung zu finden. Der große Geldgeber Activision schickte eigene Studios mit zu Destiny hin, um dort an Inhalten zu arbeiten. Das bescherte uns dann mit Forsaken und den aktuellen „Season-Pass-Inhalten“ einen verbesserten Status Quo, der aber immer noch nicht auszureichen scheint.

Darum ging das bislang schief: Es gibt mindestens drei große Probleme:

  • Die Engine von Bungie soll wahnsinnig umständlich sein und es ist zeitaufwändig, damit Inhalte zu erstellen – das berichtete die US-Seite Kotaku mal und berief sich auf „interne Quellen“
  • Dann hat Bungie zweimal „Reboots“ gemacht vor Destiny 1 und Destiny 2 und damit offenbar Monate an Arbeit weggeschmissen, weil das Management mit der Richtung unzufrieden war
  • Und die Option mit den „Hilfs-Studios“, die jetzt zu funktionieren schien, ist weggebrochen, als man sich von Activision getrennt hat

Darum ist das Content-Problem so schwer zu lösen: „Guten Content“ für PvE-Inhalte zu entwickeln, ist grundsätzlich zeitaufwändig und kostenintensiv. Man braucht zig Leute mit den verschiedensten Fähigkeiten, um diese Inhalte zu erstellen: Designer, Grafiker, Programmierer und viele mehr.

Spieler werden Inhalt immer schneller konsumieren, als man ihn herstellen kann.

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Die Engine wird Bungie nicht einfach wechseln können – das ist also ein „festes Problem“, das sich frühestens mit einem Destiny 3 und dem Wechsel auf die neue Konsolengeneration ändern wird.

Auch ist es schwer, die Teams beliebig zu vergrößern. Denn die tatsächlichen Programmierer, die am Code arbeiten, sind hochbegehrt. Nicht nur Gaming-Firmen sind heiß auf sie, sondern auch andere Technik-Firmen wie Google, Apple, irgendwelche Virtual-Reality-Firmen oder App-Entwickler.

Während Designer auch Quereinsteiger sein können, begeisterte Spieler wie Luke Smith, die dann zu Entwicklern werden, sind die Coder eine begrenzte Ressource.

Ein Problem ist aber leicht zu lösen: Wenn man eine klare Richtung hat, in die man mit Destiny will, sind die Reboots hoffentlich nicht mehr notwendig.

Diese Reboots verkürzen die Entwicklungszeit eines Titels erheblich: Aus geplanten 4 Jahren werden dann nur noch 18 Monate. Das merkt man dann an der fehlenden Zeit. Schon bei Destiny 2 war der pure Zeit- und damit Contentmangel wohl das Wurzel allen Übels.

Destiny 2 Hand cannon

Das muss Bungie mit Destiny machen: Der letztlich einzig richtige Weg für Bungie wird es sein, eine Lösung für das Content-Problem zu finden.

Alles andere Optionen noch mehr Time-Gates oder noch mehr Recycling wären nur Makulatur, um das grundlegende Problem zu übertünchen. Bungie müsste sich so ausrichten, dass sie substantiellen, neuen Content in einem Takt rausschießen, der das Spiel frisch und lebendig hält.

Wenn Destiny als „Coop-PvE-Shooter“ brillieren will, müssen regelmäßig neue Content-Updates wie Forsaken oder The Taken King erscheinen.

Der Versuch von Bungie, das rein über „Mini-DLCs“ zu lösen und Spieler dann „irgendwie“ mit endlosem Grind zu beschäftigen, werden auf lange Sicht nicht reichen, um das Spiel relevant zu halten.

Bungie hatte jetzt 5 Jahre Zeit, um das Problem des Content-Mangels zu lösen. Der Druck ist gestiegen und er wird in den nächsten Monaten und Jahren noch weiter steigen.

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