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Apr. 23, 2019 | 08:56 Uhr

Der riesige Gaming-Markt in China steht seit Monaten still. Jetzt wurden neue Regel erlassen, nach denen sich Spiele richten sollten, wenn sie eine Lizenz für China wollen. Es sieht so aus, als zieht die Regierung die Zügel an.

Das war lange die Situation: Über lange Jahre galt China als eine Art „Goldgrube“ für Spiele-Entwickler. Ein riesiger Markt, der erschlossen werden wollte.

Allerdings braucht man, um in China mit Spielen Geld zu verdienen, eine „Lizenz“, die von einer chinesischen Regierungsbehörde vergeben wurde. Es war nicht so richtig klar, nach welchen Regeln die Lizenz erteilt wurde.

Lange war es die Praxis, dass sich westliche Firmen einen chinesischen Partner suchten, um so eine Lizenz zu erhalten:

Wenn sich eine ausländische Firma, wie die Koreaner von Bluehole bei PUBG, zu weigern schienen, mit einer chinesischen Firma zusammenzuarbeiten, war schnell ein Verbot im Gespräch, weil das Spiel nicht den „sozialistischen Werten“ entspreche.

Man dachte, die großen chinesischen Firmen haben so viel Einfluss auf die Regierung, dass man da sicher ist. Immerhin saßen sie in den Gremien.

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Das war die Wende: 2018 kam es da aber zu einem erheblichen Wandel. Die chinesische Regierung änderte ihre Einstellung zu Videospielen.

Man befürchtete, gerade Mobile-Games könnten „die Jugend des Landes“ kurzsichtig machen.

Es stecke wohl auch die Befürchtung dahinter, die Kinder könnten süchtig werden. Gerade „Arena of Valor“, eine Mobile-Version von LoL, sorgte in China für Horror-Schlagzeilen, dass Leute sich ihrer Sucht völlig hingeben, wie einer Art digitalem Opium.

Die Firma hinter dem Spiel, Tencent, wollte mit selbst auferlegten Einschränkungen an Arena of Valor noch einlenken, doch es war zu spät.

Arena of Valor Gruppieren
Ein riesiger Erfolg in China, der die Alarmglocken der chinesischen Regierung schlug.

China erließ im August 2018 einen „Stopp“: Es wurden keine neuen Spiele mehr zugelassen. Der Börsenwert von China-Firmen wie Tencent krachte daraufhin zusammen, als Spiele wie „Monster Hunter World“ plötzlich nicht auf den Markt kommen durften.

Das sind die neuen Regeln: Mittlerweile, neun Monate später, hat die chinesische Regierungsbehörde einen neuen Prozess vorgestellt, um Spiele zuzulassen. Hier ist klar, dass man die Zügel enger zieht:

  • Es heißt, man will die Zahl der neu zugelassenen Spiele kontrollieren
  • Es sollen weniger Varianten von Poker und Mahjong online gehen – 2017 waren 37% der 8.561 zugelassenen Spiele Varianten von Poker und Mahjong
  • Außerdem soll es neue „Anti-Sucht-Maßnahmen“ geben – Die sollen beschränken, wie viel Zeit und Geld man in Spielen ausgeben kann
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  • völlig verboten wird Blut – da reicht es auch nicht mehr, die Farbe zu ändern
  • Auch Leichen dürfen nicht mehr gezeigt werden
  • Spiele dürfen sich nicht mit der imperialen Geschichte von China beschäftigen
  • Der Anmeldeprozess wird konkreter. Die Firmen müssen im Vorfeld mehr und detaillierte Informationen über ihr Spiel einreichen

Dazu werden Entwickler ermutigt, die chinesischen Werte und die chinesische Kultur so darzustellen, dass sie China in ein vorteilhaftes Licht rücken. Damit will man offenbar sicher gehen, dass China gut dasteht, wenn das Spiel ein internationaler Erfolg wird.

Warum macht China das? Laut Feng Shixin, dem Deputy Director des „Publishing Bureau of the Central Propaganda Department“, würden Online-Games in China 30 Milliarden US-Dollar im Jahr umsetzen. China hätte 600 Millionen Spieler. (via Venturebeat)

Die Gaming-Industrie sei so schnell gewachsen, dass die Regeln des Landes nicht mithalten konnten.

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von Schuhmann
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