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News
Mar. 30, 2019 | 11:54 Uhr

Der 26-jährige Tyler Barriss wurde von einem Gericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Barriss hatte sich schuldig bekannt: Er hatte 2017 einen sogenannten „Swatting“-Anruf getätigt, der in Zusammenhang mit dem Spiel Call of Duty WWII stand. Bei dem Polizei-Einsatz kam ein Unbeteiligter ums Leben.

Das war der Auslöser des Vorfalls: Der Vorfall ereignete sich in der Weihnachtszeit 2017.

Nach dem, was wir wissen und was die Behörden melden, ereignete sich Folgendes: Zwei „Call of Duty“-Spieler, Casey Viner (19) und Shane Gaskill (20), gerieten über eine Wette beim Computerspiel Call of Duty WW2 miteinander in Streit. Es ging da um eine Wette in Höhe von 1.50$ – also etwa 1,34€.

Die beiden drohten einander, zu „swatten.“ Damit ist gemeint, dass jemand die Polizei alarmiert und eine gefährliche Situation vortäuscht. Die Idee ist es, dass ein Einsatzteam der Polizei, ein bewaffnetes „SWAT“-Team ausrückt und das Opfer des Swatting-Calls überwältigt.

Einer der beiden Call of Duty-Spieler, Viner, rekrutierte dann Tyler Barriss tatsächlich für einen solchen Swatting-Anruf. Barris war in der „Szene“ dafür bekannt, solche Swatting-Anrufe zu tätigen.

Gaskill soll Barriss noch auf Twitter angeschrieben und ihn aufgefordert haben, „was zu probieren.“

Barriss täuschte Geiselnahme mit Mord-Selbstmord-Absicht vor

Das war der Vorfall: Barris tätigte den Swatting-Call an die Polizei in Wichita. Er gab sich als Geiselnehmer aus, der seinen Vater erschossen hätte. Nun halte er Bruder, Schwester und Mutter als Geisel. Barris drohte damit, das Haus und sich selbst in Brand zu stecken und seine Familie umzubringen.

Barriss schickte die Polizei zu einer Adresse in Wichita, Kansas, die ihm Viner gegeben hatte. Viner glaubte, dort lebe sein Rivale, Gaskill. Allerdings war dem nicht so. Gaskill hatte Viner eine falsche Adresse in Wichita, Kansas, geben.

Das SWAT-Team rückte am 27. Dezember in Wichita, Kansas, aus und stand vor einem Haus, aus dem Andrew Finch kam, ein 28-jährig, der völlig unbeteiligt an der Sache war.

Ein Polizist dachte Finch griff nach einer Waffe und eröffnete das Feuer. Finch starb.

Nachher sagten Zeugen, die nah an Finch standen, er hätte mehrfach seine Hose hochgezogen. Für den Polizisten, der feuerte, und andere, die weiter entfernt standen, sah es aber so aus, als griffe Finch nach einer Waffe.

Gegen den Polizisten wurde von der Bezirksstaatsanwaltschaft nach der Untersuchung keine Anklage erhoben – wohl aber gegen Tyler Barriss.

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So sah es zuerst aus: Ursprünglich im Januar 2018 erwartete Barriss eine „milde Haftstrafe“ in Kansas wegen fahrlässiger Tötung.

Darauf standen „lediglich“ 36 Monate Haft und 300.000$ Geld-Strafe.

Damals schien das Barriss nicht sonderlich zu belasten. Im April 2018 hatte sich Barriss offenbar durch einen Fehler im Gefängnis Zugang zum Internet verschaffen können. Barriss tönte dann, er sei ein eGott.

Doch die tatsächliche Anklage lief jetzt unter Bundesrecht und es spielten viele weitere Verbrechen von Barriss mit rein.

Gesetz

Längste Haft-Strafe im Bereich „Swatting“

So ging das jetzt aus: Barriss hatte sich im November 2018 zu insgesamt 51 Anklagen schuldig bekannt, darunter auch für den Vorfall in Wichita und zahlreiche weitere “Falsch-Anrufe.“ Nun wurde er von einem Bundesrichter in Los Angeles zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Es gab 51 Bundesanklagen wegen Falschanrufen und Drohungen.

Die Ankläger glauben, das sei die längste Haft-Strafe, die je in Zusammenhang mit „Swatting“ ausgesprochen wurde.

Der Staatsanwalt sagt, man sei in „unbekanntes, rechtliches Gebiet vorgedrungen“ – das Gesetz habe noch nicht zur Technik aufgeholt. Und spiegele noch nicht wieder, wie ernst die Vorfälle gewesen seien, die sich ereignet haben.

Gefängnis
20 Jahre Haft warten auf Barriss.

Das sagen Beteiligte nun:

  • Barriss sagt: „Wenn ich könnte, würde ich es zurück nehmen, aber es gibt nichts, was ich tun kann. Es tut mir so leid.“
  • Sein Anwalt sagt, Barriss sei ein Einzelgänger, der Trost in der Gaming-Community fand. Sein Vater sei schon früh gestorben und seine Mutter hätte ihn verlassen.
  • Die Schwester des Swatting-Opfers, Dominica Finch, sagte, Barriss habe das bekommen, was er verdiene. Aber sie will auch den Polizisten, der feuerte, zur Verantwortung ziehen. Die Familie Finch hat die Stadt Wichita und die beteiligten Polizisten verklagt.

Die beiden Call of Duty Spieler, Viner und Gaskill, hatten auf „Nicht schuldig“ plädiert – ihre Gerichtstermine stehen noch aus.

In Folge des Todes von Andrew Finch wurden bereits Gesetze verschärft.

von Schuhmann
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