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Jul. 29, 2018 | 12:11 Uhr

Bei Bless Online bringt man eine der fehlenden Klassen jetzt in den Early Access. Der Assassine soll im August kommen. Aber die Häppchen-Taktik von Bless scheint gescheitert. Was bei anderen Asia-MMOs erfolgreich war, wird bei Bless zum Problem, glaubt unser Autor Schuhmann.

Was ist jetzt passiert? Neowiz kündigt ein großes Update für ihr MMORPG Bless auf Steam an (via Steam Community). Das Assassinen-Update soll in der zweiten Augustwoche (6-12. August) erscheinen. Producer Sungjin Ko sagt, man wisse, viele freuten sich auf das Update.

Das steckt im Patch:

  • Die neue Klasse Assassine steht für Habichte, Sylvan-Elfen, Amistad, Wasserelfen, Pantera und Mascu offen
  • Die Belagerung von Castra ist ein neuer PvP-Inhalt, der maximal 70 gegen 70 Spieler antreten lässt
  • Dazu kommen das Vorherrschaftsvertragssystem und die Besetzungskriege

castra-bless

Wie reagieren die Spieler? Die Reaktionen sind gespalten:

  • Viele Spieler auf Steam reagieren zynisch auf die Ankündigung. Einige sprechen von einem „Dead Game.“
  • Andere erkundigen sich gereizt, wann versprochenen Lokalisierungen kommen, etwa für Deutsch oder Russisch.
  • Einige fragen auch, wann Bless endlich Free2Play wird.
  • Es gibt allerdings auch Stimmen, die sich über das Update freuen. Sie sagen, man hätte eine stabile Playerbase auf dem neuen Server und sehe dem Update mit Vorfreude entgegen.

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Häppchen-Taktik wohl gescheitert

Bless im Early Access: Das MMORPG Bless ist schon seit einigen Jahren in Südkorea spielbar. Hier in Deutschland startete es allerdings in einen Early Access auf Steam – ohne irgendeine Form von öffentlicher Beta.

Die Steam Version von Bless für Europa und Nordamerika klammerte Inhalte aus dem eigentlich fertigen Spiel aus. Darunter auch die Klasse Assassine, die viele spielen wollten.

Es hieß: Die Klassen Mystiker und Assassine kämen erst später zur Steam-Version. Die müssten noch überarbeitet werden.

Die Idee von Bless war es wohl, die ausgesparten Inhalte mit einigen Wochen und Monaten Verzögerung nach und nach freizugeben. So wie jetzt den Assassinen etwa 10 Wochen nach dem Launch in den Early-Access.

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Die Vorteile der Häppchen-Taktik von Asia-Spielen

Andere Asia-MMOs haben das vorgemacht: Auf ein ähnliches System, die Häppchen-Taktik, hatten auch andere Asia-Spiele wie Blade and Soul, ArcheAge oder Black Desert gesetzt, die erst spät nach dem Korea-Launch in den Westen gekommen waren.

Statt mit allem aktuellen Content der Original-Version zu erscheinen, klammerte man spätere Updates aus und erschien in einer abgespeckten Version.

Das sorgt dafür, dass MMORPG simpler und damit einfacher zu verstehen ist. Statt den Spieler mit allen Features zu überfordern, führt man ihn langsam heran.

castra-fight

Diese Häppchentaktik garantiert zudem einen konstanten Content-Fluss nach dem Release im Westen. Weil in Südkorea die Entwicklung nur langsam voranschreitet, ist das eine Methode, um ein MMORPG lebendig erscheinen zu lassen.

Es entsteht der Eindruck: Da ist eine Menge los, da kommt ja Update an Update, die geben sich richtig Mühe.

ArcheAge-Duell

Schon ArcheAge brach unter dem Update-Wahn einst zusammen

Hat das früher mal geklappt? Während bei Black Desert und Blade and Soul diese Taktik mehr oder weniger aufging, führte sie in ArcheAge schon 2014 in eine Katastrophe. Denn da wollte man das Eisen schmieden, solange es heißt ist. Trion Worlds und XLGames legten ein irres Tempo bei den Patches und Updates vor. Immerhin galt ArcheAge im September und Oktober 2014 noch als wahnsinnig angesagtes MMORPG mit riesigen Warteschlangen.

Man wollte bei ArcheAge das Zeitfenster unbedingt nutzen, bevor Warlords of Draenor am 13. November erschien, die damals neue Erweiterung für WoW.

Schließlich brach die West-Version von ArcheAge unter dem Druck, diese Updates schnell rauszuhauen, schier zusammen. Die neuen Versionen wurden nicht richtig geprüft und sorgen für katastrophale Probleme.

Von dem Crash nach dem entscheidenden Auroria-Update im November 2014 hat sich ArcheAge nie wieder ganz erholt. Außerdem sorgte hier das rasche Update-Tempo für ständige Fluktuationen in der Balance und man schleppte Probleme ein, die ArcheAge in Korea vor Jahren hatte.

Bless Online

Update kommt für Bless wohl zu spät: Bei Bless scheint diese Taktik ebenfalls nicht aufzugehen, aber aus anderen Gründen. Hier hat man nicht zu schnell erweitert, sondern ist mit einer zu schwachen Grundversion in den Early-Access gestartet.

Der Launch von Bless verlief schlecht. Spieler meckerten über die fehlenden Inhalte. Andere kritisierten die Performance so hart, dass Bless mittlerweile die Spielerbasis weggebrochen ist und der Ruf des MMORPGs am Boden scheint.

Besser und seriöser wäre es wohl gewesen, mit dem Launch noch länger zu warten und eine Beta über Steam abzuhalten, um einige Probleme vorauszusehen.

Vielleicht wäre es dann auch möglich gewesen mit einer stabileren und vollständigeren Version von Bless zu starten. Das hätte vielleicht besser funktioniert und wäre den Spielern gegenüber fairer und freundlicher gewesen.

von Schuhmann
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