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Feb. 18, 2019 | 10:40 Uhr

Anthem macht richtig Laune. Aber Multiplayer-Action und Singleplayer-Story vertragen sich nicht. Das findet zumindest Cortyn.

Am vergangenen Wochenende habe ich, wie viele andere auch, zahlreiche Stunden in Anthem verbracht. Viele Missionen und Verträge wurden abgeschlossen, so manch ein Dialog aufmerksam verfolgt und mit dem Storm jeder Gegner gefrostet, geblitzt oder verbrannt, der mir vor das Fadenkreuz kam.

Es macht ungeheuer Spaß, mit ein, zwei oder drei Freunden die Missionen zu spielen, Gegner über den Haufen zu ballern und die coole Welt zu erforschen. Ja, das Spielen außerhalb von Fort Tarsis macht im Team richtig Laune und das Kombo-System sowie die verschiedenen Rollen der unterschiedlichen Javelins geben ein tolles Team-Gefühl.

Aber leider ist das nicht das ganze Spiel.

Wenn man ehrlich ist: Der ganze Rest von Anthem ist in der Gruppe eine Zumutung und alles andere als Spaß. Zumindest dann, wenn man die Story noch nicht gespielt und Interesse an den Dialogen hat.

Der Ablauf dabei ist nervig. Denn während man meistens zwischen zwei und fünf Missionen anhäufen kann, um diese dann „am Stück“ abzuschließen, ist die Rückkehr nach Fort Tarsis in der Gruppe nervig. Dort rennen nämlich alle Spieler für sich alleine herum in ihrer instanzierten Version des Spiels.

Man gibt Quests ab, wird von NPCs in (teilweise echt witzige) Dialoge verwickelt und latscht im Schneckentempo über die Map, immer wieder hin und her. Denn kaum gibt man eine Quest ab, wollen drei neue Charaktere mit einem sprechen.

Das wäre cool, wenn Anthem ein reines Single-Player-Spiel wäre, in dem man sich Zeit lassen kann, weil andere Mitspieler nicht schon ungeduldig warten. Genau das ist Anthem aber nicht.

Anthem macht alleine nämlich überhaupt keinen Spaß. Wer Missionen auf „privat“ stellt und sie ohne Mitspieler erledigt, schläft wahrscheinlich nach wenigen Minuten vor Langeweile ein. Richtig Laune kommt nur auf, wenn man mit anderen zusammen zockt.

Dass genau dieses Zusammenspielen aber in großen Passagen von Anthem absolut keinen Spaß macht, trübt den Spaß ungemein. Immer wieder kommt es zu solchen Gesprächsfetzen im Discord:

  • „Hä? Wieso fehlt mir der Vertrag denn?“
  • „Wie hieß nochmal der Chef von der Domi-“ – „Pscht, gerade Gespräch!“
  • „Können wir los?“ – „Ich höre gerade noch das Radio vom Crimson Lancer…“

Diese Art von Game-Design ist nervig. Das Spiel motiviert mich eher dazu, einmal ohne meine Freunde „durch das Spiel zu peitschen“, damit ich mir entspannt und in meinem Tempo die Dialoge anhören kann, um dann hoffentlich auf dem Maximallevel mehr Zeit mit dem eigentlichen Action-Gameplay zu verbringen, das nicht so oft von langen Solo-Gesprächsevents durchbrochen wird.

Womöglich ist das im Endgame anders, wenn man nur noch Missionen nachhetzt und Fort Tarsis immer nur für wenige Augenblicke betritt. Doch wer Interesse an der Story hat und mit allen Charaktere immer sprechen will, wenn sie Neuigkeiten zu erzählen haben, der wird mit dem Gruppenspiel ein Problem haben. Zumindest dann, wenn er mit einem festen Squad spielen will.

Wir empfindet ihr das Zocken von Anthem in der Gruppe? Erlebt ihr die Story auch als Team mit Freunden? Oder sucht ihr euch nur für die Missionen eine Gruppe an „Randoms“?

Die ersten Eindrücke der Community zu Anthem haben wir euch hier vorgestellt.

von Cortyn
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