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Special
Apr. 04, 2019 | 12:24 Uhr

In Anthem gibt es aktuell viel Aufregung nach einem Insider-Bericht. Aber der zeichnet nicht alles schwarz, was die Zukunft von Anthem angeht. Es gibt drei Lichtblicke.

Um diesen Insider-Bericht geht es: Diese Woche erschien auf der US-Seite Kotaku ein Insiderbericht über die Entstehung des Online-RPGs Anthem. Der Autor des Berichts sagt, er hätte mit 19 Quellen gesprochen, die aber anonym bleiben möchten.

Der Bericht zeichnete ein düsteres Bild eines Spiels, das ohne Vision und Führung entstanden ist. 5 Jahre lang, zwischen 2012 und 2017, wurden kaum Entscheidungen gefällt oder Fortschritt erzielt.

Zudem sei die Entwicklung von Anthem so stressig gewesen, dass es Entwickler in den Krankenstand und von BioWare wegtrieb.

Wir haben den Bericht bereits auf MeinMMO besprochen.

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In dem langen Bericht gibt es aber auch einige positive Entwicklungen, die vor allem am Ende der Entwicklungszeit auftraten. Denen wollen wir uns in diesem Artikel widmen.

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1. Führungs-Personal ausgetauscht und es funktioniert

Eines der Hauptprobleme von Anthem war es, dass der BioWare-Chef Casey Hudson im August 2014 von Bord ging. Der war der große Kapitän des A-Teams von BioWare, der schon die Entwicklung der Original Mass-Effect-Reihe angeführt hatte.

Casey wurde durch Jon Warner als Game Director ersetzt. In den nächsten drei Jahren gab es diese dunkle Phase, in denen wenig Entscheidungen getroffen wurde und das Spiel stagnierte.

Das änderte sich, laut dem Bericht, aber im Oktober 2017. Mit Mark Darrah wurde ein neuer starker Mann bei Anthem installiert – zudem kam Casey Hudson zurück.

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Mark Darrah, Executive Producer – Bildquelle: GameInformer via YouTube

Darrah kommt in dem Insiderbericht gut weg. Der hätte Schub in die Entwicklung gebracht und dafür gesorgt, dass Entscheidungen getroffen und Fortschritte erzielt wurden.

Er hätte Leuten gesagt: „Macht das zu Ende, was Ihr angefangen habt.“

Mit Darrah sei ab Oktober 2017 ein neuer Schwung ins Team gekommen. Es seien beachtliche Fortschritte erzielt worden.

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Darrah steht ganz oben – noch über dem Game Director.

Kotaku stellt heraus, dass Darrah als erstes in den Abschluss-Credits genannt wurde, obwohl er erst seit anderthalb Jahren bei Anthem war.

2. Neues Team mit Live-Erfahrung übernimmt

Ebenfalls interessant ist, dass die Weiterentwicklung von Anthem von Edmonton zum Team in Austin wechselt. Das sei von Beginn an der Plan gewesen, weiß der Insider-Bericht.

BioWare Austin ist der Teil von BioWare, der über Jahre am MMORPG Star Wars The Old Republic gearbeitet hat.

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Das Star-Wars-Team übernimmt den Live-Service von Anthem.

In Austin soll man während der Entwicklung häufiger Feedback an die Führung in Edmonton gegeben haben, hatte aber das Gefühl, nicht gehört zu werden.

Dabei hatte man so viel Erfahrung mit Star Wars The Old Republic gesammelt und sah sich eigentlich in der Lage, wertvolle Hinweise zu geben, wie Dinge in einem Live-Game zu funktionieren und wie eben nicht.

Jetzt hat man in Austin den Eindruck, endlich die Kontrolle über Anthem zu übernehmen. Ein Entwickler von dort wird zitiert mit:

„Wir hatten über die Jahre das Gefühl: Okay, wenn wir am Steuer sind, werden wir es reparieren. Sicher, das Spiel hat diese Probleme und wir verstehen sie. Aber es herrscht eine: „Wir haben Bock, es zu reparieren“-Einstellung.“

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3. Es gab zum Ende einen Spurt und vieles wurde besser

Der Insiderbericht stellt heraus, wie viel BioWare in der wenigen Zeit geschafft hat, als die Vision stand und richtig gearbeitet wurde.

Ein zitierter Entwickler zeigen sich beeindruckt davon, was dann noch möglich war in den letzten 6 bis 9 Monaten.

Ein weiter Entwickler wird damit zitiert, dass die Verbesserungen in den letzten Monaten der Entwicklung explodiert seien.

So heißt es, dass das Team unter Darrah richtigen Lauf hatte und sich die Stimmung dreht. Das Problem war aber, dass Zeit fehlte. Am Ende hätten dem Team noch einige weitere Monate gefehlt.

Deshalb wurde etwa die umstrittene Grind-Mission noch eingebaut, um die Spielzeit zu verlängern.

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Aber insgesamt entstanden viele der „guten Dinge“ in Anthem erst in den letzten Monaten, als wirklich Entscheidungen getroffen wurden.

Hier machte sich dann auch Optimums breit, weil sich der Kampf und das Fliegen so gut anfühlten.

Zudem hätte man bei Anthem jetzt das Gefühl, als Live-Game wirklich vieles besser zu machen.

Fazit: Viele der größten Probleme von Anthem scheinen in der Zeit zwischen 2014 und 2017 zu liegen und wurden mittlerweile gelöst:

  • das Führungsvakuum ist gefüllt
  • ein Team mit neuem Schwung ist am Ruder
  • und die Lethargie und das Arbeiten ins Nichts sind offenbar weg
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Fliegt Anthem jetzt in eine bessere Zukunft?

Aus diesen Problemen resultierte aber wohl das „Stress“- und „Crunch“-Problem, das jetzt viele thematisieren. Denn BioWare musste in 18 Monaten das nachholen, was über 5 Jahre versäumt worden war.

Vielleicht hat die Führung von BioWare aus den letzten Monaten tatsächlich so viel gelernt, wie sie jetzt auch in einem Blogpost formuliert haben.

Das würde bedeuten, dass sich ein Gros der Kritik aus dem Insiderbericht auf Probleme bezieht, die mittlerweile angegangen und gelöst sind.

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von Schuhmann
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